Forschungsprojekte

„Ėstrada! Schlager und Gesellschaft in der Sowjetunion“ (DFG-Förderung):

Projektleitung: Dr. Ingo Grabowsky

Das Forschungsprojekt „Ėstrada! Schlager und Gesellschaft in der Sowjetunion im Zeitraum von 1953 bis 1985“ untersucht die Geschichte des russischsprachigen populären Liedes und seine Bedeutung für die sowjetische Gesellschaft. Schlager ist im sowjetischen Zusammenhang als populäres, politisch akzeptiertes Unterhaltungslied, Ėstrada-Musik als Diskurspraktik der sowjetischen Schlagermusik und ihrer Protagonisten zu definieren. Ziel ist es, die Entwicklung der Ėstrada-Musik im Wechselspiel von Produktion, staatlicher Einflußnahme und Publikumsinteressen zu untersuchen. Darüber hinaus ist ihre gegenwärtige Nachwirkung in der russischen Gesellschaft von Interesse. Der Untersuchungszeitraum setzt mit dem Tod Stalins 1953 ein, der ein Aufbrechen des monolithischen Charakters des kulturellen Lebens und damit auch der populären Musik mit sich bringt. Er endet mit den politischen Zäsuren der Jahre 1979/80, die Änderungen der Kulturpolitik und des kulturellen Lebens hervorrufen. Den Untersuchungsgegenstand bilden erstens die Arbeit der Komponisten, Textdichter und Interpreten bei der Produktion von Schlagern, zweitens die Funktion staatlich-parteilicher Kontroll- und Steuerungsinstanzen im Entstehungsprozeß populärer Lieder und drittens die für die Evolution des Schlagerschaffens bedeutsame technische und mediale Entwicklung. Zu untersuchen sind Wechselbeziehungen und Querverbindungen dieser Faktoren mit der Aneignung von Schlagern als in der Alltagswelt omnipräsenten Modellen der Wert- und Normentwicklung sowie der Identifikation und Gruppenbildung durch die Konsumenten. Als Untersuchungsmaterial dienen öffentlich zugängliche und archivalische Quellen sowie Interviews mit Zeitzeugen.