Lehrveranstaltungen

Sommersemester 2018

Wintersemester 2018/19

Kommentare zu den Lehrveranstaltungen

Vorlesung: Slavische Sprachen in Deutschland (SS 2018)

Seit mehreren Jahrzehnten verzeichnet Deutschland eine starke Zuwanderung von Per­sonen mit einer slavischen Erstsprache. Ziel der Vorlesung ist es einerseits, die Situation der slavischen Migrationssprachen zu betrachten. Andererseits soll die­sen sog. allochthonen Sprachen die Situation einer autochthonen slavischen Spra­che in Deutschland gegenübergestellt werden: Das Sorbische wird seit dem Mittel­al­ter von einer kleiner werdenden Personengruppe in Sachsen und Brandenburg gespro­chen.

In der Vorlesung werden diese slavischen Sprachen unter verschieden Gesichtspunkten betrachtet. Eine Perspektive ist die soziolinguisti­sche: Wann werden die slavischen Sprachen verwen­det, wie werden sie weitergegeben, wie sieht ihre Vitalität aus? Wie sind die Sprecher/innengruppen der verschiedenen Sprachen charakterisiert? Wie sehen die gesellschaftlichen Maßnahmen zu ihrer Unterstützung aus? Einen weiteren The­men­block bilden psycholinguistische Fragen der Zwei- und Mehrsprachigkeit: wie werden die slavischen Sprachen erworben, wie wirkt sich die Mehrsprachigkeit auf die Sprecher/Innen aus? Drittens werden wir uns mit systemlinguistischen Aspekten befassen und danach fragen, welche Veränderungen in den slavischen Sprachen im Kontext des Sprachkontaktes zu beobachten sind.

Literaturtipps:

  • Achterberg, J. 2005. Zur Vitalität slavischer Idiome in Deutschland. Eine empirische Studie zum Sprachverhalten slavophoner Immigranten, München
  • Scholze, L. 2007: Das grammatische System der obersorbischen Umgangssprache im Sprachkontakt, Bautzen

 

Hauptseminar: Russische Sprachgeschichte: Alltagstexte der Kiever Rus’ und ihre linguistische Analyse (SS 2018)

In diesem Seminar werden wir uns unter sprach- und kulturhistorischen Gesichtspunkten mit Texten beschäftigen, die dem 12. bis 16. Jahrhundert enstammen. Nach einem Überblick über die Textsorten, die es in der Kiever Rus’ gab, werden wir uns im ersten Schwerpunkt mit den Birkenrindentexten (“berestjanye gramoty”) beschäftigen. Dies sind Briefe und Notizen, die v.a. von den Einwohnern Novgorods seit dem Mittelalter angefertigt wurden und seit der Mitte des 20. Jahrhunderts zu Tausenden aus dem sumpfigen Boden geborgen wurden. Sie umfassen Privatbriefe ebenso wie Schreibübungen von Kindern oder Beschwerde­briefe an Vorgesetzte. Der zweite Schwerpunkt liegt auf dem frühesten ostslavischen Rechtstext, der “Pravda Rusьkaja”, der in verschiedenen Versionen überliefert ist und das Bild des frühen ostslavischen Alltagslebens um anschauliche Details aus der Rechtssprechung bereichert.

Sprachlich sind diese Texte am zutreffendsten “Altostslavisch” zu nennen, denn sie sind in der Vorläuferform der heutigen ostslavischen Sprachen (Russisch, Ukrainisch und Weißrussisch) verfasst, gelegentlich wird diese Sprachform auch als “Altrussisch” bezeichnet.

Diese Texte bieten den Hintergrund, vor dem wir uns mit den sprachlichen Entwicklungen in Wortschatz und Grammatik vom Altostslavischen zum heutigen Russischen beschäftigen werden.

Literaturtipps:

  • Boretzky, Norbert (1999): Immanente Geschichte der russischen Sprache, in: Jachnow, Helmut (ed.): Handbuch der sprachwissenschaftlichen Russistik und ihrer Grenzdisziplinen, Wiesbaden, 689-725
  • Keipert, Helmut (1999): Geschichte der russischen Literatursprache, in: Jachnow, Helmut (ed.): Handbuch der sprachwissenschaftlichen Russistik und ihrer Grenzdisziplinen, Wiesbaden, 726-779
  • Zaliznjak, A. A. (1995): Drevnenovgorodskij dialekt, Moskva

 

Hauptseminar: Lexikologie und Lexikografie des Polnischen (SS 2018)

Der Wortschatz (Lexikon) einer Sprache kann uns Auskunft darüber geben, wie der sprechende Mensch seine Umwelt wahrnimmt und welche kulturspezifischen Blickweisen sich bemerkbar machen. Welche Kategorien sind für die Sprechenden relevant? Welche Erscheinungen werden sprachlich miteinander in Zusammenhang gebracht, indem sie mit demselben Wort bezeichnet werden? Um diese Fragen geht es im Seminar am Beispiel des Polnischen.

Wir beschäftigen uns zunächst mit der Disziplin der Lexikologie, mit der Struktur und Herkunft des polnischen Wortschatzes und den semantischen Beziehungen zwischen den einzelnen Wörtern.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist dann die Erfassung und Beschreibung des Wortschatzes in Wörterbüchern; dies ist der Gegenstand der Lexikografie. Was in einem Wörterbuch dargestellt wird und wie die Inhalte präsentiert werden, basiert auf Tradition, theoretischen Ansätzen und praktischen Erwägungen.Wir werden uns mit unterschiedlichen Wörterbüchern des Polnischen auseinandersetzen und beleuchten, welche Typen es gibt, wie sie strukturiert sind und welche Informationen sie liefern.

Die TeilnehmerInnen werden schließlich eigene Wörterbucheinträge entwerfen und sich so aktiv mit dem Gelernten auseinandersetzen.

Literaturtipps:

  • Lehmann, V. (Ms.): Linguistik des Polnischen: Lexikologie; Lexikografie.
  • Tokarski, R. 2001: Słownictwo jako interpretacja świata, in: Bartmiński, Jerzy (ed.): Współczesny język polski, Lublin, 341-370

 

Übung: Mehrsprachigkeitsforschung – Aktuelle sprachwissenschaftliche Texte verstehen und präsentieren (SS 2018)

Möchten Sie wissen, wie aktuelle sprachwissenschaftliche Forschung funktioniert? Würden Sie gern Ihre Fähigkeit verbessern, sprachwissenschaftliche Texte auf Deutsch, Englisch und in anderen Sprachen zu verstehen? Möchten Sie wissen, wie man professionell ein wissenschaftliches Thema präsentiert? Interessieren Sie sich für Mehrsprachigkeitsforschung? Wenn Sie eine dieser Fragen mit „ja“ beantworten, sind Sie in diesem Kurs richtig.

In dieser Übung geht es um die gemeinsame genaue Lektüre und Auseinandersetzung mit aktuellen wissenschaftlichen Arbeiten aus dem Themenfeld der Mehrsprachigkeitsforschung. Wir werden diese Texte gemeinsam einerseits im Hinblick auf ihren Aufbau betrachten: Welche Informationen sind wo enthalten, was ist wichtig für das Verständnis? Zum anderen werden wir uns inhaltlich mit der jeweils präsentierten Forschung beschäftigen: Wie gehen die Untersuchungen methodisch vor, wie sind sie zu bewerten? Im zweiten Teil der Übung präsentieren die Studierenden selbst aktuelle wissenschaftliche Texte zur Mehrsprachigkeitsforschung und üben dabei aktiv den Aufbau und Vortrag einer guten wissenschaftlichen Präsentation.

Literaturtipps:

  • International Journal of Bilingualism (eine wichtige internationale Zeitschrift der Mehrsprachigkeitsforschung; Volltext online über den OPAC zu erreichen)
  • Lobin, H. 2012 Die wissenschaftliche Präsentation. Konzept – Visualisierung – Durchführung, Paderborn

 

Forschungskolloquium slavistische Linguistik (SS 2018, WS 2018/19)

Leitung: Prof. Dr. Tanja Anstatt, Dr. Katrin Bente Karl

Gegenstand des Forschungskolloquiums ist die Präsentation von eigenen Forschungs­arbeiten. Es richtet sich an alle Studierenden und Lehrenden des Instituts, die sich für aktuelle Themen und Methoden der slavistischen Sprachwissenschaft interessieren und den Austausch hierüber pflegen möchten. Die Beteiligten sind dabei drei Gruppen von Personen:

  1. Für fortgeschrittene Studierende der M.A.-Phase, die einen linguistischen Schwerpunkt gewählt haben, ist der Besuch des Forschungskolloquiums im Rahmen des Moduls “Forschendes Lernen” obligatorisch. Sie stellen hier ihre Masterarbeit als “work in progress” vor.
  2. Das Forschungskolloquium kann im WS 2017/18 erstmals auch von interessierten B.A.-Studierenden in der Phase der Abschlussarbeit als Poolkurs besucht werden. Die B.A.-Studierenden haben ebenfalls die Möglichkeit, die Vorarbeiten zu ihrem B.A.-Projekt zu präsentieren und Austausch, Anregungen sowie methodische Unterstützung erhalten.
  3. Die dritte Gruppe von TeilnehmerInnen sind postgraduierte slavistische LinguistInnen, die hier ihre Dissertationsprojekte oder andere größere Forschungsvorhaben präsentieren. In diesem Zusammenhang werden mehrmals pro Semester Gäste eingeladen, sodass die TeilnehmerInnen auch mit Forschungen bekannt werden, die außerhalb von Bochum durchgeführt werden.

Im Zentrum stehen in jedem Fall linguistische Methoden: Leitfrage ist, welche Methode jeweils in der Untersuchung angewendet wird, was bei der Durchführung zu beachten ist und wo Probleme entstehen können. Auch thematisch dem eigenen Gebiet ferner liegende Forschungsthemen können dadurch sehr gut zu Fragen der eigenen Arbeit in Bezug gesetzt werden.

Vorlesung: Die slavischen Sprachen (WS 2018/19)

Ziel dieser Vorlesung ist ein Überblick über alle slavischen Sprachen, die es gibt. Dabei kommen sowohl die großen Sprachen – vom Bulgarischen bis zum Ukrainischen – als auch die kleinen – vom Burgenland-Kroatischen bis zum Kaschubischen – zu ihrem Recht.

Die TeilnehmerInnen erhalten in der Vorlesung einen Einblick in die Geschichte dieser Sprachen, hören eine Sprachprobe und erfahren Wissenswertes über die Charakteristika der einzelnen Sprachen: Was unterscheidet diese slavische Sprache von den anderen? Wer spricht diese Sprache? Wie und von wem wird sie gefördert? Welche Besonderheiten weist die Sprachsituation auf?

Literaturtipps:

  • Comrie, B. / Corbett, G. 1993: The Slavonic languages, London.
  • Rehder, P. (ed.) 1998: Einführung in die slavischen Sprachen, Darmstadt.
  • Sussex, R. / Cubberley, P. 2006: The Slavic languages, Cambridge u.a.

Hauptseminar: Russische Sprache und Frequenzphänomene (WS 2018/19)

Die Häufigkeit von sprachlichen Formen und Funktionen hat weitreichende Folgen für uns als Sprechende und für die Struktur der gesamten Sprache. Dies ist in der Linguistik gegenwärtig ein wichtiges Forschungsthema. Sehr häufige Wörter können wir zum Beispiel viel schneller verstehen und verarbeiten, und sie werden von Kindern früher erworben.

Andererseits halten sich bei sehr häufigen Wörtern auch unregelmäßige Bildungen viel länger (z.B. Irregularitäten in der Formenbildung wie odin god –  pjat’ let oder das Aspektpaar brat’ - vzjat’). Auch sind sehr häufig verwendete sprachliche Formen normalerweise deutlich kürzer als seltene (vergleichen Sie etwa dom und dostoprimečatel’nost’!)

Im Seminar werden wir uns damit beschäftigen, welche genaueren Regula­ritäten sich für das Russische zeigen lassen, wobei wir einerseits sprach­histo­ri­schen, andererseits psycholinguistischen Zusammenhängen nachgehen. Die Teil­nehmer/innen werden dabei anhand des neuen, online verfügbaren Frequenzwörterbuchs zum Russischen eigene kleine Studien zu Frequenzphänomenen erstellen.

Literaturtipp:

Ljaševskaja, O.N. / Šarov, S.A. (online): Novyj častotnyj slovar’ russkoj leksiki

Hauptseminar: Sprachkontakte des Polnischen in Geschichte und Gegenwart (Wintersemester 2018/19)

Sicher sind Sie im Polnischen schon über Entlehnungen aus dem Englischen wie chipsy oder surfować gestolpert. Aber ist Ihnen auch schon einmal bewusst geworden, dass der polnische rynek (Marktplatz) sich vom deutschen Wort Ring herleitet oder dass czasopismo  eine Lehnübersetzung der deutschen Zeitschrift ist? Das Polnische ist im Laufe seiner Geschichte durch verschiedene Sprachen stark beeinflusst worden, worunter neben dem heute dominanten Englischen und dem früher sehr wichtigen Deutschen auch das Lateinische, phasenweise auch das Französische oder Italienische eine wichtige Rolle spielten.

Im Seminar werden wir uns zunächst mit grundsätzlichen Fragen der Wissenschaft vom Sprachkontakt, der sog. Kontaktlinguistik, beschäftigen: Wie entsteht Sprachkontakt und wie wirkt er sich generell aus? Dann werden wir uns mit Spuren beschäftigen, die die verschiedenen Kontaktsprachen im Polnischen hinterlassen haben und betrachten, auf welchen sprachlichen Ebenen sie zu finden und wie sie entstanden sind. Schließlich werden wir uns auch mit der aktuellen Kontaktsituation beschäftigen, mit der das Polnische sich in Deutschland befindet, und betrachten, inwieweit sich hier typische Kontaktfolgen beobachten lassen und wo sie sich vom historischen Sprachkontakt unterscheiden.

Literaturtipps:

  • Rieger, J. 2001a: Kontakty polszczyzyny z językami niesłowiańskimi, in: Bartmiński, J. (ed.) 2001: Współczesny język polski, Lublin, 527-540
  • Rieger, J. 2001b: Kontakty polszczyzyny z językami słowiańskimi, in: Bartmiński, J. (ed.) 2001: Współczesny język polski  Lublin, 541-554

Oberseminar: Empirische Forschungen zur Mehrsprachigkeit (Wintersemester 2018/19)

Im Zentrum des Oberseminars steht die kritische Auseinandersetzung mit dem methodischen Handwerkszeug, das für empirisches Arbeiten notwendig ist. Im ersten Teil des Semesters werden wir empirische und analytische Methoden am Beispiel der Mehrsprachigkeitsforschung erörtern und besprechen, welche Verfahren sich prinzipiell für welche Art von Fragestellung eignen und wo ihre Grenzen liegen. Dazu werden wir uns einerseits mit Literatur beschäftigen, die Hinweise zur Forschungsmethodik gibt, andererseits werden wir empirische Studien lesen und ihre Methodik diskutieren. Im zweiten Teil des Semesters erarbeiten die Studierenden eine empirische Fragestellung und die dafür notwendigen Methoden und führen eine Pilotstudie durch, um diese zu überprüfen.

Literaturtipps:

  • Albert, R. / Marx, N. 2014 (2.) Empirisches Arbeiten in Linguistik und Sprachlehrforschung: Anleitung zu quantitativen Studien von der Planungsphase bis zum Forschungsbericht, Tübingen
  • Schmid, M. 2011 Language attrition, Cambridge (GB) u.a.