Forschungsprojekte

Nach Moskau. Deutsche Emigranten im sowjetischen Exil und im Kulturbetrieb der DDR

gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaftsförderung

 

Die Erfahrung des Stalinismus prägte das Handeln, Denken und künstlerische Wirken von Kommunisten in der DDR, die die Exilzeit in der Sowjetunion verbracht hatten. Zu dieser Kernthese führt die Beobachtung einer Gruppe leitender Kader, die nach ihrer Rückkehr aus Moskau das kulturelle Leben in der SBZ/DDR wesentlich bestimmten. Der Titel „Nach Moskau“ ist somit im räumlichen, zeitlichen und übertragenen Sinn zu verstehen und zeigt die verschiedenen Dimensionen des Projektvorhabens an: Untersucht werden sollen die Emigration deutscher ,Kulturarbeiter‘ in die UdSSR, ihre Existenzweisen und -bedingungen im Exil, die anschließende Lebens- und Schaffensphase im östlichen Nachkriegsdeutschland sowie die normative Wirkung der sowjetischen ,Leitkultur‘ als subjektiv wie gesellschaftlich einflussreicher Faktor in der DDR.

Zugrunde gelegt wird ein offenes Sample von ca. 15 Personen – Schriftsteller, Journalisten, Theaterleute und Kulturfunktionäre. Sie teilen im Wesentlichen dieselbe Generationserfahrung (geboren um 1900), sahen sich im sowjetischen Exil ähnlichen Einflüssen und Irritationen ausgesetzt und hatten später Leitungs- oder Repräsentationsfunktionen im kulturellen Leben der DDR inne. Dieser Personenkreis mit seinen scheinbar bruchlosen Karrieren wird hier erstmals in den Blick genommen. Die doppelte geographische und historische Perspektive, die das Projekt mit Blick auf die sowjetischen 30er und frühen 40er Jahre sowie die Nachkriegszeit in der DDR bis etwa 1960/65 entwickelt, soll im interdisziplinären Zusammenwirken unterschiedlicher Fächer (Russische Kultur / Kultur- und Literaturwissenschaft / Zeitgeschichte) auch methodisch wirksam werden. Damit soll eine Lücke geschlossen werden, die aktuelle Studien zum Exil bzw. zu Nationalsozialisten in Bildung und Wissenschaft oder zu Westemigranten in der DDR offen lassen: nämlich die stalinistische Prägung und Praxis vor und nach 1945, die hier systematisch aufgearbeitet werden soll.

Projektleitung: Prof. Dr. Christoph Garstka (Seminar für Slavistik / Lotman-Institut für russische Kultur), Prof. Dr. Bernd Faulenbach (Institut für Deutschlandforschung)

ProjektmitarbeiterInnen: Dr. Anne Hartmann (Seminar für Slavistik / Lotman-Institut für russische Kultur), Dr. Silke Flegel, Dr. Frank Hoffmann (Institut für Deutschlandforschung).

Laufzeit: 10/2018 – 9/2020