Forschungsprojekt / Publikation

Lion Feuchtwanger in Moskau 1937

Lion Feuchtwangers Buch „Moskau 1937. Ein Reisebericht für meine Freunde“ hat schon bei seinem Erscheinen (Amsterdam 1937) heftige Reaktionen ausgelöst und die Emigranten entzweit. Bis heute gilt der Reisebericht als skandalös; mit seinem dreifachen „Ja“ auf die stalinistische Sowjetunion wird er vielfach als Zeugnis für die Verblendung, ja den Verrat der Intellektuellen gelesen. Umso erstaunlicher, wie wenig die konkreten Umstände und der Verlauf der Reise, auch die Entstehung seines Moskaubuchs bisher erforscht wurden. Dies gab den Anstoß für umfängliche Recherchen in russischen, amerikanischen und deutschen Archiven, deren Ergebnisse in dem folgenden Band versammelt sind:  

Anne Hartmann: „Ich kam, ich sah, ich werde schreiben.“ Lion Feuchtwanger in Moskau 1937. Göttingen: Wallstein 2017 (akte exil. neue folge. Hg. von Hermann Haarmann, Bd. 1).

Kern der Publikation ist eine annotierte Chronik, die anhand von Tagebüchern, Briefen, Memoiren, Zeitungsartikeln, Rezensionen und Geheimdienstberichten Feuchtwangers Annäherung an die Sowjetunion, seinen zehnwöchigen Moskauaufenthalt im Winter 1936/37 sowie die Publikation und Rezeption des Reiseberichts rekonstruiert. Die Materialien vermitteln Erkenntnisse über die Eindrücke, die der Schriftsteller im Verlauf der Reise gewann, über das, was er sah, was er damals öffentlich machte bzw. was er retuschierte oder verschwieg. Sie geben zugleich Einblick in die sowjetischen kulturpolitischen Apparate und das Agieren der sowjetischen Gastgeber vor und hinter den Kulissen. Die Chronik wird ergänzt durch einen Dokumententeil, der erstmals die brisanten Geheimdossiers sowie Feuchtwangers Interview mit Stalin und seine unveröffentlichten Moskauer Reden enthält. Eine umfangreiche Einleitung erhellt den Kontext der Exiljahre, geht auf Feuchtwangers spätere Kontakte zur Sowjetunion ein und bietet eine neue Interpretation von „Moskau 1937“ an.

 

Rezensionen / Interviews:

Susanne Klingenstein: Skeptisch beobachtete er, euphorisch beschrieb er. Anne Hartmanns grandiose Dokumentensammlung zu Lion Feuchtwangers Moskau-Besuch im Jahr 1936. In: FAZ, 11.10.2017.

Günter Scholdt: Intellektueller Verrat. In: Junge Freiheit, 13.10.2017.

Pelzmantel und Geld: Wie Stalin Lion Feuchtwanger „einseifte“. Interview mit Peter Jungblut. In: Bayrischer Rundfunk / kulturWelt, 7.11.2017, 7:30 Uhr

Wilbert Ubbens: Buchbesprechung. In: Informationsmittel. Digitales Rezensionsorgan für Bibliothek und Wissenschaft. http://www.informationsmittel-fuer-bibliotheken.de/showfile.php?id=8640

Stefan Berkholz: Lesenswert. Buchkritik auf SWR 2, 26.11.2017.

Moshe Zimmermann in: Odot [Israelische Online-Zeitschrift] https://www.reviewbooks.co.il/single-post/באתי-ראיתי

Wladislaw Hedeler: Beginn des dritten Jahrtausends. In: Neues Deutschland, 8.1.2018

Thomas Medicus: Die falschen Freunde. Lion Feuchtwangers Russlandreise: Ediert, kommentiert, in neuem Licht. In: Süddeutsche Zeitung, 13./14. Januar 2018.

Nobert Wehrstedt: Bei Stalin im Kreml. Anne Hartmann spannender Band über Lion Feuchtwangers umstrittene Moskau-Reise 1936/37. In: Leipziger Volkszeitung, 26.1.2018

Stefan Berkholz: Buchbesprechung (Mosaik / Resonanzen), WDR 3, 2.2.2018.

Hannes Schwenger: Stalin, mon amour. Anne Hartmann begibt sich auf Lion Feuchtwangers Moskauer Spuren. In: Tagesspiegel, 1.3.2018.

Geoff Davis: Buchbesprechung. In: IFS Newsletter 25 (2018), S. 16-18.

Dennis Püllmann: “Höchst entschieden ja sagen”. Kritisch, aber „probolschewistisch“: Anne Hartmann rekonstruiert Feuchtwangers berühmte Sowjetunion-Reise. In: Junge Welt, 31.3.2018.

 

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