Forschungsprojekt / Publikation

Lion Feuchtwanger in Moskau 1937

Lion Feuchtwangers Buch „Moskau 1937. Ein Reisebericht für meine Freunde“ hat bei seinem Erscheinen (Amsterdam 1937) heftige Proteste ausgelöst und gilt bis heute als skandalös. Das Buch dient als Zeugnis für die Verblendung, ja den Verrat der Intellektuellen, schließt es doch mit einem dreifachen „Ja“ auf die Sowjetunion, das Stalin und die Schauprozesse einbezieht.

Kern der Publikation ist eine annotierte Chronik, die Feuchtwangers vielfältige Kontakte zur Sowjetunion, insbesondere seine zehnwöchige Moskaureise im Winter 1936/37 und deren Höhepunkte – das Interview mit Stalin am 8. Januar 1937 und die Teilnahme am sog. Zweiten Trotzkistenprozess gegen Karl Radek, Georgij Pjatakov u.a. – sowie die Publikation und Rezeption des Reiseberichts anhand von deutschen und russischen Tagebüchern, Briefen, Memoiren, Zeitungsartikeln, Rezensionen und Archiv-Dokumenten (GARF, RGASPI, RGALI, RGANI  – Moskau, Feuchtwanger Memorial Library – Los Angeles, Akademie der Künste – Berlin) rekonstruiert. Diese Annäherung erlaubt neuartige Erkenntnisse über die Eindrücke, die der Schriftsteller im Verlauf der Reise gewann, über das, was er sah, was er damals öffentlich machte bzw. was er retuschierte oder mit Schweigen überging. Sie gibt zugleich Einblick in die sowjetischen kulturpolitischen Apparate, das Agieren einzelner Instanzen und Personen (vor und hinter den Kulissen) sowie die Haltungen, mit denen die sowjetischen Gastgeber Feuchtwanger begegneten und ihn zu beeinflussen suchten. Die Chronik wird ergänzt durch eine umfangreiche Einleitung, die den Kontext der Exiljahre erhellt, auf Feuchtwangers spätere Kontakte zur Sowjetunion eingeht und eine neue Interpretation von „Moskau 1937“ anbietet. Hinzu kommt ein Dokumententeil, der u.a. die brisanten Geheimdossiers, Feuchtwangers Interview mit Stalin und seine unveröffentlichten Moskauer Reden enthält.

 

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